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Ziele und Zielgruppen

Welche Ziele verfolgt die Jugendsozialarbeit an Schulen?

JaS – Jugendsozialarbeit an Schulen ist eine Leistung der Jugendhilfe und die intensivste Form der Zusammenarbeit von Jugendhilfe und Schule. Sie soll sozial benachteiligte junge Menschen bei ihrer Persönlichkeitsentwicklung unterstützen und fördern. Dadurch sollen deren Chancen auf Teilhabe und eine eigenverantwortliche sowie gemeinschaftsfähige Lebensgestaltung verbessert werden. Viele wissenschaftliche Studien und nicht zuletzt PISA zeigen: Der soziale und familiäre Hintergrund junger Menschen sowie eine positive Persönlichkeitsentwicklung in einem förderlichen Umfeld sind in hohem Maße mitentscheidend für den schulischen Erfolg. Deshalb sollen durch eine sinnvolle Ergänzung und enge Verknüpfung von Jugendhilfe und Schule die Chancen, das Wissen und Können junger Menschen in Bayern verbessert werden:  

  • JaS nimmt sozial benachteiligte junge Menschen besonders in den Blick,
  • reagiert mit ihren Leistungen auf gesellschaftliche Entwicklungen und
  • stellt eine professionelle sozialpädagogische Hilfe zur Integration dar.
  • JaS leistet einen maßgeblichen Beitrag zur Chancen- und Bildungsgerechtigkeit.

Wer ist die Zielgruppe der JaS?

JaS wendet sich an junge Menschen 

  • die unter sozio-ökonomisch schwierigen Bedingungen aufwachsen und denen es an Unterstützung durch das Elternhaus mangelt,
  • die Verhaltensauffälligkeiten zeigen, z. B. gehäuftes Fernbleiben vom Unterricht,
  • die wegen ihrer individuellen oder sozialen Schwierigkeiten voraussichtlich keine Ausbildungs- oder Arbeitsstelle finden,
  • aus Zuwandererfamilien, deren Integration erschwert ist,
  • mit erhöhtem Aggressionspotenzial und Gewaltbereitschaft,
  • mit Problemen (z. B. Mobbing, Trennung und Scheidung der Eltern, Sucht)
  • mit Versagens- oder Schulängsten,
  • mit mangelndem Selbstwertgefühl etc.

Förderprogramm

Hier finden Sie weitere Informationen zur Jugendsozialarbeit an Schulen in Bayern.

JaS bringt in der Arbeit mit der Zielgruppe nicht nur sozialpädagogische Kompetenz ein, sondern agiert mit dem gesamten System der Jugendhilfe. Dies geschieht durch:

  • Beratung und sozialpädagogische Hilfen: In Einzel- oder auch Gruppengesprächen mit den jungen Menschen werden deren Probleme im Alltag, in der Familie, in der Schule oder auch im Übergang in die Ausbildung und in den Beruf besprochen und gemeinsam Lösungswege entwickelt.
  • Soziale Gruppenarbeit zur Stärkung sozialer Kompetenzen, insbesondere der Kommunikations- und Konfliktfähigkeit.
  • Elternarbeit: Innerfamiliäre, erzieherische und/oder schulische Probleme erfordern eine enge Zusammenarbeit mit den Eltern und deren Beratung, um gemeinsam Wege zur Verbesserung zu finden. Hierbei können auch weitere Leistungen der Jugendhilfe oder anderer Leistungserbringer angeregt bzw. Letztere einbezogen werden.
  • Zusammenarbeit mit dem Jugendamt (Soziale Dienste) und mit den Einrichtungen und Diensten der Jugendhilfe (z. B. Erziehungsberatungsstellen, Horten, Jugendzentren) und anderen sozialen Einrichtungen insbesondere mit Angeboten der schulischen Ganztagsbetreuung (offene und gebundene Ganztagsschule), dem Gesundheitswesen (z. B. Drogenberatungsstellen) sowie mit Polizei und Justiz.
  • Im Zusammenhang mit dem Übergang von der Schule in den Beruf ist die Kooperation mit der Agentur für Arbeit unverzichtbar.

Die JaS ist eine Leistung der Jugendhilfe, die an Schulen mit gravierenden sozialen und erzieherischen Problemen zum Einsatz kommt. Die Jugendämter vor Ort stellen im Rahmen der Jugendhilfeplanung fest, an welchen Grundschulen, Mittelschulen, Förderschulen, Berufsschulen und ggf. Realschulen ein so großer jugendhilferechtlicher Handlungsbedarf besteht, der mithilfe von JaS gedeckt werden soll. Für die Förderung von JaS-Stellen an Grundschulen ist Voraussetzung, dass 20 % der Kinder einen Migrationshintergrund haben.

  • Das örtliche Jugendamt (Träger der öffentlichen Jugendhilfe)
  • Anerkannte Träger der freien Jugendhilfe

Hier finden Sie Listen der Anschriften der JaS-Träger und der Einsatzorte für die einzelnen Regierungsbezirke.

JaS ist ein mehrfach evaluiertes, wirksames sekundärpräventives Jugendhilfeangebot und seit 2002 ein Schwerpunkt bayerischer Kinder- und Jugendpolitik. Der Freistaat Bayern unterstützt deshalb die Träger der öffentlichen Jugendhilfe bei dieser Pflichtaufgabe nach § 13 Achtes Buch Sozialgesetzbuch (SGB VIII) auf der Grundlage einer Förderrichtlinie. Antragsberechtigt sind die Träger der öffentlichen Jugendhilfe sowie anerkannte Träger der freien Jugendhilfe.

Die staatliche Förderung erfolgt als Regelförderung im Rahmen einer Festbetragsfinanzierung. Die Zuwendung beträgt für eine vollzeitbeschäftigte Fachkraft 16.360 Euro (Pauschale). Die wöchentliche Mindestarbeitszeit ist die Hälfte eines Vollzeitäquivalents. Dies gilt auch dann, wenn sich zwei Fachkräfte eine Vollzeitstelle teilen. Die Pauschale beträgt dann 8.180 Euro.

JaS arbeitet ausschließlich mit Fachpersonal, im Regelfall mit staatlich anerkannten Sozialpädagoginnen oder staatlich anerkannten Sozialpädagogen (abgeschlossener Diplom-Studiengang oder Bachelor-Studiengang Soziale Arbeit), vorzugsweise mit Berufserfahrung in der Jugendhilfe.

Nach Modell- und erster Ausbauphase beschloss der Bayerische Landtag am 16.07.2008, das Konzept für die JaS weiterzuentwickeln. Das Programm, das in der ersten Ausbauphase den Einsatz der JaS auf Hauptschulen, die Hauptschulstufen der Förderschulen und die Berufsschulen konzentrierte, sollte so weiterentwickelt werden, dass schrittweise auch die staatliche Förderung des JaS-Einsatzes insbesondere an Grundschulen ermöglicht werden sollte.

Hinsichtlich der Umsetzung fasste der Bayerische Ministerrat am 23.06.2009 den Beschluss mit nachstehenden Eckpunkten, auf dessen Grundlage die zweite Ausbauphase „JaS 1000“ begann: 

  • Weiterer Ausbau der JaS auf insgesamt 1.000 Stellen bis 2019
  • Einsatz der JaS auch an Grundschulen vor dem Hintergrund der frühen Prävention
  • Sicherstellung eines qualifizierten Fortbildungsangebots (integraler Bestandteil der JaS-Konzeption)
  • Wirksamkeitsanalyse durch eine Evaluierung des Förderprogramms
  • Staatliche Förderung neuer JaS-Stellen nach drei Prioritäten (erste Priorität wie bisher JaS an Mittel-, Förder- und Berufsschulen, wobei inzwischen die Hauptschulen zu Mittelschulen erweitert wurden, zweite Priorität JaS an Grundschulen mit einem Migrantenanteil von über 20 % und dritte Priorität JaS an Realschulen in besonders gelagerten Einzelfällen)

Bayern verfügt im Bundesvergleich über das beste und nachhaltigste Netz an JaS und baut dieses weiter aus.

Ein Ausbau auf 1.000 JaS-Stellen war bis 2019 vorgesehen. Im Hinblick auf den zusätzlichen Bedarf wegen massiv gestiegener Flüchtlings- und Asylbewerberzahlen wurde gemäß Beschluss des Ministerrats vom 09.10.2015 der JaS-Ausbau bedarfsgerecht beschleunigt, sodass bereits 2018 das Programm „JaS 1000“ vollständig umgesetzt werden kann. Hierfür stehen im Doppelhaushalt 2017/18 17,48 Mio. Euro und 18,22 Mio. Euro zur Verfügung.

Zum 15.09.2017 sind an 1.160 Mittel-, Förder-, Berufs-, Grund- und Realschulen in Bayern sozialpädagogische Fachkräfte der JaS mit einem Umfang von 865 Stellen (Vollzeitäquivalenten) im Einsatz.

Nähere Informationen zur Entwicklungsgeschichte der JaS können im JaS – Handbuch, das beim ZBFS-Bayerisches Landesjugendamt bezogen werden kann, nachgelesen werden.

Hier finden Sie die Grundlagen für die staatliche Förderung von Jugendsozialarbeit an Schulen:

JaS ist ein vergleichsweise neues, anspruchsvolles Arbeitsfeld der Jugendhilfe, auf dessen spezifische und anspruchsvolle Zielgruppe die Hochschulen für angewandte Wissenschaften häufig noch nicht in ausreichendem Umfang vorbereiten. JaS ist eine Jugendhilfemaßnahme direkt am Ort Schule, eigenständig in der Zielsetzung und im methodischen Vorgehen, aber in enger Kooperation mit der Schule und deren Zielsetzung. An die sozialpädagogischen Fachkräfte werden hohe Erwartungen hinsichtlich der Wirksamkeit ihrer Tätigkeit vonseiten der öffentlichen und freien Träger der Jugendhilfe sowie von Schulleitung und Lehrkräften, aber auch von Eltern gestellt, die zudem nicht immer deckungsgleich sein müssen.

Um eine landesweite Umsetzung der fachpolitischen Zielsetzungen zu unterstützen, wurde eine Fortbildungskonzeption entwickelt. Diese trägt dazu bei, das Profil der JaS zu schärfen, die Aufgaben, Kompetenzen und Rollenerwartungen zu klären, den Erfahrungsaustausch zu fördern und tragfähige Kooperationsformen zu entwickeln. Die Fortbildungskonzeption besteht aus folgenden Bausteinen:

  • Grundkurs für alle sozialpädagogischen JaS-Fachkräfte
  • Vertiefungskurse zu den Kernaufgaben der JaS-Fachkräfte
  • Modul in der Fortbildung der ALP für alle neu berufenen Schulleitungen und Schulrätinnen sowie Schulräte an Grund-, Mittel- und Förderschulen
  • Tandem-Kurse gemeinsam für JaS-Fachkräfte und sog. Tandem-Lehrkräfte, die an einer Schule tätig sind
  • Interdisziplinäre Fachtagung

Hier finden Sie alle aktuellen Fortbildungsangebote.

Einsatzorte – regional und nach Schultypen

Regionale Verteilung der JaS

Die folgende Tabelle zeigt die Einsatzorte der Jugendsozialarbeit in absoluten Zahlen aufgeschlüsselt nach Regierungsbezirken in Bayern (Stand: 2016).

Regierungsbezirk JaS-Einsatzorte Stellen
Oberbayern 278 rund 218
Niederbayern 131 rund 88
Oberpfalz 133 rund 119
Oberfranken 108 rund 76
Mittelfranken 149 rund 119
Unterfranken 144 rund 89
Schwaben 211 rund 146
Bayern gesamt 1.154 rund 855

JaS-Einsatzorte nach Schultypen

Die folgenden Tabellen zeigen einen Überblick über die Jugendsozialarbeit an Mittelschulen, Berufsschulen, Grundschulen und Realschulen geordnet nach den Regierungsbezirken in Bayern (Stand: 2016).

Oberbayern

JaS-Einsatzorte Anzahl der Einsatzorte
Mittelschulen 134
Förderschulen (HS-Stufe) 38
Berufsschulen 17
Grundschulen 78
Realschulen 2

Niederbayern

Schultyp Anzahl der Schulen
Mittelschulen 67
Förderschulen (HS-Stufe) 24
Berufsschulen 7
Grundschulen 27
Realschulen 1

Oberpfalz

Schultyp Anzahl der Schulen
Mittelschulen 57
Förderschulen (HS-Stufe) 17
Berufsschulen 12
Grundschulen 33
Realschulen 6

Oberfranken

Schultyp Anzahl der Schulen
Mittelschulen 68
Förderschulen (HS-Stufe) 17
Berufsschulen 2
Grundschulen 17
Realschulen 0

Mittelfranken

Schultyp Anzahl der Schulen
Mittelschulen 60
Förderschulen (HS-Stufe) 16
Berufsschulen 13
Grundschulen 38
Realschulen 5

Unterfranken

Schultyp Anzahl der Schulen
Mittelschulen 66
Förderschulen (HS-Stufe) 16
Berufsschulen 15
Grundschulen 28
Realschulen 0

Schwaben

Schultyp Anzahl der Schulen
Mittelschulen 90
Förderschulen (HS-Stufe) 22
Berufsschulen 16
Grundschulen 66
Realschulen 0

Weiterführende Informationen

Empfehlung der Datenerfassung für die Erstellung der Verwendungsnachweise 2017

Empfehlung der Datenerfassung für die Erstellung der Verwendungsnachweise 2018

Weitere Richtlinien

Regionalbereisungen der Regierungsbezirke im Februar 2017

Die Erstellung der Verwendungsnachweise erfolgte für die Jahre 2012 – 2014 und teilweise 2015 mithilfe des internetbasierten Berichtswesens. Die gewonnenen Daten wurden ausgewertet.

Zur Vorstellung der Ergebnisse der Auswertung und Evaluation fanden in den Regierungsbezirken im Februar 2017 Regionalbereisungen statt.

Ferner wurden in einem strukturierten Beteiligungsprozess Einschätzungen hinsichtlich der Weiterentwicklung der JaS erhoben.

Hier finden Sie die Ergebnisse der Evaluation für Bayern.

Ergebnisse der Evaluation für die einzelnen Regierungsbezirke: